Magazin Tourismus.International am Mittwoch, den 13. November 2019
Geschichten rund um das Hotel "Das Ahlbeck" auf Usedom
"Es gibt Orte, an denen man spürt, dass sie Geschichte geschrieben haben", so heißt es auf der Website des Hotels "Das Ahlbeck". Das Usedom-Hotel und seine Region beweisen es. Denn ein Platz der Geschichte ist die gesamte Insel Usedom selbst. Seit jeher hat die zweitgrößte Insel in Deutschland an der Ostseeküste ihre Anziehungskraft bewahrt. Usedom, gelegen in der pommerschen Bucht, ist mit ihren 42 Kilometer langen Sandstrand und ihrem immer noch malerisch dörflichem Hinterland ein beliebter Rückzugsort für Urlauber. Hinzu kommt, dass die Meteorologen Usedom dank der nordöstlichen Lage und dem meist offenen Horizont an der Ostsee mehr Sonnenstunden als anderswo im Land bescheinigen. Doch die Insel hat im Vergleich mit anderen Küstenregionen noch einen besonderen Schatz zu präsentieren. Hier befinden sich die drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Sie erinnern an ein Stück deutsche Geschichte, an den Glanz einer längst vergangenen Epoche, als sich die Highsociety des ausgehenden 19. Jahrhunderts an diesem Küstenstreifen mit weißem Sandstrand ihre prächtigen weißen und hellgelben Villen errichtete. Ein Glanzstück dieser drei Orte ist Ahlbeck, besonders bekannt durch die älteste und wie viele meinen, die schönste Seebrücke an der Ostseeküste. In Sichtweite dieses Bauwerkes direkt an der Promenade von Ahlbeck steht heute eines der besten Hotels der Kaiserbäder: "Das Ahlbeck". Der Standort, gelegen am Strand, der Blick aus dem Hotelfenster auf die Seebrücke und zum Horizont der Ostsee eine einmalige Lage.

Fischernetze auf der Düne

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Auch das Hotel-Gebäude kann eine spannende Geschichte erzählen. Sie beginnt damit, dass sich im Jahr 1882 die Berlinerin Auguste Vogeler eine dreistöckige Villa am Meer mit Vorgarten und weißem Zaun als Pension für Sommergäste erbauen ließ. Zu dieser Zeit standen auf der Düne Holzgerüste zum Trocknen der Fischernetze. Die schmucke Villa mit 30 Gästezimmern und dem pompösen Namen "Seeschloss" sollte mit offenen Loggien und großen Fenstern für Leichtigkeit und das ersehnte laissez faire Urlaubsgefühl sorgen. Später zog der FDGB-Feriendienst ein und in den 80er Jahren verfiel das Haus zu einer Ruine. Die Treuhand hatte keine Eile und sorgte erst im Jahr 2001 mit Zwangsversteigerung für neue Eigentümer, die neu bauten. "Kein Stein blieb auf dem anderen", so erzählt die Chronik des Hauses weiter. Einzig die alte Fassade des Seeschlosses mit seinen Säulen getragenen Loggien blieb erhalten. Und zeugt noch heute von der einst mondänen Schönheit des Hauses.

Infinity-Pool und Panorama-Sauna

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Trotz des verzögerten Startes in die neue Zeit kann sich nun "Das Ahlbeck" in der langen Reihe der Villen und Hotels im Stile der prächtigen Bäderarchitektur behaupten. Das Hotel hat nun wiederum die Chance ergriffen, erfolgreich seine Hotelgeschichte weiter zu schreiben. Einen entscheidenden Anteil daran hat die Direktorin Petra Bensemann. Sie ist, wie es in einem Interview mit ihr heißt, "eine Exotin in der Usedomer Hotellerie". Denn anders als die meisten ihrer Berufskollegen ist die Hotelchefin nicht aus dem "Westen" importiert, sondern auf Usedom geboren. Seit 2007, für die Hotelbranche eine kleine Ewigkeit, engagiert sie sich sehr kompetent und klug für ihr Hotel. Direktorin Bensemann vertraut nicht allein der ausgezeichneten Lage ihres Hotels, sondern will sich von den anderen Hotels unterscheiden. Ihr Konzept lautet: "Das Haus soll einen sehr persönlichen und privaten Charakter ausstrahlen." Einen Fokus setzt das Hotel auf eine überschaubare Zimmerzahl und auf einen großzügigen Wellnessbereich. Durch einen kürzlich eröffneten Anbau besitzt das Hotel insgesamt nun 77 Zimmer und Suiten (in vielen Hotels sind mindestens 100 Zimmer die Norm). Die Suiten bieten noch zusätzlich etwas Besonderes und Extravagantes. So verfügen drei Suiten über eine Sauna im Zimmer, es kann eine Badewanne automatisch in die Fensterhöhe fahren, um auf die Ostsee zu schauen und Gasflammen schaffen einen Kamineffekt. Außerdem wurde der Wellnessbereich des Hotels auf stolze 2.000 Quadratmeter erweitert. Glanzpunkte sind eine Panorama-Sauna und ein Infinity-Pool mit Blick auf die Seebrücke. Und da ist es für den Hotelgast wieder zu spüren, dieses grenzenlose Gefühl von Freiheit, Ausgeglichenheit und Unbeschwertheit - laissez faire Urlaubsgefühl, wie es ihn schon damals in wilhelminischen Zeiten gegeben haben soll.

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Brot und Brötchen vom Hotelbäcker

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Das Ahlbeck will nicht auswechselbar sein. Das Hotel hat das mit dem Duft von Brot und Brötchen geschafft, die aus der eigenen Hotelbäckerei stammen und die den beziehungsreichen Namen "Der Ahlbäcker" trägt. Bäckermeister Tore Heinisch sorgt dafür, dass hier alles nach traditioneller Backkunst ohne Fertigmischungen aus dem Backofen kommt. Eine besondere Brotkreation aus Vollkornmehl mit Leinsamen, Sesam und Roggenschrot erhielt den Nahmen "DAS AHLBECK" und wird von den Hotelgästen sehr geschätzt. Knapp die Hälfte der Hotelgäste nimmt das Brot der Hotelbäckerei gern mit nach zu Hause.

Die Fischerei ist bedroht

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Die Usedomerin Petra Bensemann engagiert sich auch aktiv für den Tourismus in ihrer Heimat. Dazu zählt für viele in der Bevölkerung und im Gastgewerbe das Thema Fischerei auf der Insel Usedom. Niemand will mehr die Holzgerüste auf den Dünen zum Trocknen der Fischernetze wie vor 130 Jahren. Aber die übergroße Mehrheit der Einwohner wie auch der Touristen wollen die örtliche Fischerei erhalten. Nicht weit vom Hotel direkt an der Düne und an der Promenade steht Uwe's Fischerhütte, eines der angesagten rustikalen Restaurants für auserlesene Fischgerichte in Ahlbeck. Eigentümer ist Uwe Krüger, ein Fischer in der sechsten Generation, der seinen Zorn über die Situation seines Berufsstandes kaum zügeln kann. Die EU-Fischereiminister haben im Oktober dieses Jahres die von der EU festgelegten Fangquoten für Fisch beschlossen. "Mit diesen Jahresquoten 0,7 Tonnen Heringe und 0,7 Tonnen Dorsch im Jahr droht den Fischern auf Usedom und der gesamten Ostsee das Aus", so Krüger. Diese Maßnahmen seien weder mit der Erhaltung der Bestände begründbar, wie sich die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte belegen lässt, noch aus Sicht der EU-Handelspolitik, da eigentlich der gesamte Fang vor Ort an der Küste verbraucht wird. Vor 30 Jahren gab es noch 50 Fischer, heute noch eine Handvoll. Nur vereinzelt fahren Kutter zum Fischen. "Wir brauchen keine Stilllegungsprämien, wir leben vom Fisch", lautet ein Resümee des Fischers. Die Fischer wollen sich mit diesen EU-Beschlüssen nicht abfinden. Ebenso wie die Mehrheit der Inselbewohner, so wie Petra Bensemann und andere Hoteliers. Und was wollen die Touristen? Gerne frisch gefangenen Fisch essen und Fischkutter fotografieren.

Quiche im Cafe "Seelchen"

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Die Insel Usedom kann mit einer großen Zahl von sehr bemerkenswerten ganz unterschiedlichen Erlebnis-Orten aufwarten, die den interessierten Urlauber ansprechen. Da ist das Cafe "Gritzer Seelchen" im Garten in Lütow Ortsteil Neuendorf. Hier warten die Wirtsleute, zwei junge Frauen, mit Hand gemachten Kuchen und phantasievoll gemachten Quiche Rezepten. In der kleinen Gemeinde Benz steht die St.-Petri-Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die aufgrund zweier Gemälde des Künstler Lyonel Feininger eine kleine Berühmtheit erlangte. Und ein paar Ecken weiter im Dörfchen hat sich die Galeristin Susanne Werth etabliert, die in der gleichnamigen Galerie mit wechselnden Ausstellungen von Kunsthandwerk, Fotografie und Malerei auf Besucher und auch auf Käufer wartet.

Museum in Peenemünde

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Doch die ganz große Geschichte wird 40 Kilometer entfernt auf der Nordspitze der Insel Usedom erzählt, die den Namen Peenemünde trägt. Dort befand sich auf der riesigen Fläche von 25 Quadratkilometern von 1936 bis 1945 die Versuchsanstalten Peenemünde, das damals größte militärische Forschungszentrum Europas. Hier wurden von Nazideutschland neuartige Waffensysteme erforscht und erprobt wie weltweit die ersten Marschflugkörper und noch weit gravierender die erste funktionierende Großrakete, bekannt unter den Namen V1 und V2. Über Jahrzehnte auch in der DDR ein militärisches Sperrgebiet wurde im Jahr 1991 das Historisch-Technische Museum Peenemünde gegründet. Spektakulär ist an diesem historischen Ort der Start einer Rakete im Jahr 1942, die eine stabile Flugbahn und eine Gipfelhöhe von fast 85 Kilometern erreichte und damit erstmalig die Grenze zum Weltraum überschritten wurde. Der erste Schuss vom Planet Erde ins All kam aus Peenemünde. Spektakulär ist allerdings auch, dass diese Rakete als Terrorwaffe gegen die Zivilbevölkerung konzipiert und später eingesetzt und größtenteils von Zwangsarbeitern gefertigt wurde.

Spannende und bedrückende Ausstellung

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Die Ausstellungen dokumentieren nicht allein eine Vielzahl technischer Ergebnisse dieses teuersten Rüstungsprojekts im III. Reich, sondern auch anschaulich, wie die bis zu 12.000 Menschen hier lebten und warum die enorm aufwändigen Waffenprojekte durchgeführt wurden. "Diese Ambivalenz der Versuchsanstalt Peenemünde ist die große Herausforderung, der sich das Museum immer wieder stellen muss und stellt", sagt der studierte Historiker und Archivar des Museums, Thomas Köhler. Ständig werde das Museum durch Sonderausstellungen ergänzt beispielsweise über das damalige Kraftwerksgebäude, so Köhler, um dem Publikum neue Sichten zu vermitteln. Zur Geschichte dieser Rüstungsschmiede gehört auch das zähe Ringen der Siegermächte um die klügsten Köpfe aus Peenemünde, die einen der "größten Wissenstransfer der Menschheitsgeschichte" (Thomas Köhler) vollzogen hat. Die jüngste Sonderausstellung hat den Titel. "Krieg oder Raumfahrt? Die Versuchsanstalt Peenemünde in der öffentlichen Erinnerung seit 1945". Eine spannende und bedrückende Geschichte und für Touristen ein obligatorischer Besuchstermin.

Strandspaziergang unverzichtbar

Ronald Keusch für Magazin Tourismus.International

Die Insel Usedom und das Hotel "Das Ahlbeck" in Ahlbeck locken noch mit einer ganzen Reihe von weiteren Orten, die Geschichten erzählen. Da gibt es den Weg per Fahrrad oder zu Fuß über die Grenze, die nur noch einen Grenzpfahl hat, in das nahe polnische Swinemünde. Und da gibt es den mehr als 8 Kilometer langen Promenadenweg zu den anderen Kaiserbädern Heringsdorf und Bansin mit ihren Seebrücken. Und da gibt es Abstecher ins Hinterland nach Kamminke, Lubmin oder in die Peene-Landschaft. Aber eines ist unverzichtbar: Um einen Strandspaziergang vor der Hoteltür kommt man natürlich nicht herum, egal wie oft man bereits auf Usedom war.

Text und Fotos von Ronald Keusch mit Fotos von Manfred Felder, "Das Ahlbeck"