ISSN 2701-6765 | Magazin Tourismus.International am Montag, den 17. Mai 2021
San Francisco und jede Menge Wahrzeichen
Die Stadt San Francisco hat jede Menge Wahrzeichen, die es mit Leichtigkeit schaffen, die Titel unzähliger Reiseführer, Bücher und Bildbände zu zieren. Da erhebt sich die berühmte Golden Gate Bridge und schwebt in 67 Meter Höhe fünf Kilometer über dem Wasser. Die nicht weniger berühmte Cable Car rumpelt gut gefüllt mit Touristen über die teilweise stark aufsteigenden und wieder abfallenden Straßen. Ganz erhaben stehen die viktorianischen Häuser mit ihren Türmchen und kleinen Säulen in den Giebelfenstern und künden davon, dass die Stadt im 19. Jahrhundert eines der großen Einfallstore in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten weit geöffnet hatte.

Der geschenkte Coit-Turm


Der Coit-Turm auf dem Telegraphenberg

Der Coit Tower auf dem Telegraphenberg, obwohl 64 Meter hoch, steht scheinbar nur in der zweiten Reihe illustrer Wahrzeichen. Doch der Turm hat nicht nur eine wunderbare Aussicht auf große Teile der Stadt, auf die Golden Gate Bridge und die Bucht. Er erzählt auch eine spannende und überraschende Geschichte, die ihren Ursprung bei einer Frau hat. Lillie Hitchcock Coit kam Mitte des 19. Jahrhunderts als kleines Mädchen mit ihrer Familie nach San Francisco und hat diese Stadt für immer in ihr Herz geschlossen. Das änderte sich auch nicht, als sie durch Heirat ein kleines Vermögen erwarb und in ihrem späteren egozentrischen Leben Männerkleidung trug und Zigarren rauchte. Als großer Fan der Feuerwache Knickerbocker Hose Company No. 5 begleitete sie deren Einsätze, spielte mit ihnen Poker und trank dazu Bourbon Whiskey. Als sie 1929 im Alter von 86 Jahren starb, vermachte sie San Francisco die Summe von 125.000 Dollar "zu dem Zweck, die Schönheit der Stadt, die sie immer geliebt hat, noch zu mehren." Der Architekt Arthur Brown errichtete einen Turm in Form einer klassischen Säule. Eine Treppe und ein Aufzug führen zur Besucherplattform.


Wandgemälde Library im Coit-Turm

Die ungewöhnlichen Wandmalereien


Wandgemälde "Men at work"

Im Erdgeschoss des Turms kommt der Besucher aus dem Staunen nicht heraus. Die Wände sind mit überdimensionalen Gemälden bedeckt. Ist dies schon ungewöhnlich, ist es erst recht der Inhalt der Bilder. Insgesamt 25 bekannte Künstler aus der Region schufen diese Fresken. Sie fühlten sich dem sozialkritischen Realismus verpflichtet und malten im Stil des mexikanischen Wandmalers Diego Rivera. So hat es den Anschein, als ob die Wandmalerei nur von der Hand eines Künstlers stammt. Ihre insgesamt 19 Bild-Motive spiegelten den Alltag mitten in der Wirtschaftskrise der 30er Jahre in den USA wider. Da werden Unternehmen, Bergwerke, Banken und Kaufhäuser gezeigt und der schroffe Unterschied zwischen der gut betuchten und der besitzlosen Klasse deutlich. In dem Gemälde Library von Bernard Zakheim greift ein Mann zu einem Band vom "Das Kapital" von Karl Marx, so als finde er darin Antworten, um die Krise zu überwinden. Auf einem anderen Bild liest ein Mann die kommunistische Zeitung der USA, den Daily Worker. Es kommt bei Eröffnung des Turms zu heftigen Kontroversen über die Wandmalerei, so wird berichtet. Aber die Wandmalerei hat sich auch in der antikommunistischen Hysterie der 50er Jahre behauptet als ein anderes Amerika.

Im Redwood-Urwald bei den Mammutbäumen


Mammutbäume im Naturpark Muir Woods

Die Stadt San Francisco ist umringt von wunderbaren Ausflugszielen. Da liegt im Süden das berühmte Silicon Valley, an deren Hängen sich früher endlos Obstplantagen hinzogen und die Halbinsel Monterey. Im Nordosten beginnt im Napa Valley das Weinland Kalifornien. Und im Norden, nur etwa 20 Kilometer von San Francisco entfernt, erreicht man mit einem Kleinbus per Tagestour oder Mietwagen auf kurvenreichen und steilen Straßen den Naturpark Muir Woods. Muir Woods ist als National Monument eingestuft und gehört zu den 390 Parks im amerikanischen National Park System. Bei dem Naturpark handelt sich um einen Redwood-Urwald aus Mammut-Bäumen mit einem Alter von 1.000 Jahren und mehr. Dem Redwood ähnliche Bäume bedeckten vor 150 Millionen Jahren einen großen Teil der nördlichen Hemisphäre. Im Park sind die Überreste der alten Küsten-Mammutbäume erhalten, die vor dem 19. Jahrhundert noch viele nordkalifornische Küstentäler bedeckten.


Mammutbäume

Der 227 Hektar große Muir Wood ist das ganze Jahr von acht Uhr morgens bis Sonnenuntergang geöffnet. Trotz großen Besucherandranges bieten die zehn Kilometer langen Spazierwege ausreichend Platz für alle. Überall wachsen Farne und der kleine Fluss Redwood Creek führt entlang der Wanderwege. Durch vier Brücken über den Fluss entstehen Rundwanderwege. Die gigantischen Bäume, neben dem Redwood auch die Riesen-Sequoia, mit ihrer bis zu 30 Zentimeter dicken Rinde bieten ein imposantes Bild. Im "Bohemian" und "Cathedral" Hain stehen mit 76 Meter Höhe und vier Meter Durchmesser die größten Bäume des Parks. Die Einrichtung des Parks, des besten Denkmals für Baumliebhaber, geht auf eine private Initiative zurück. Der Unternehmer-Familie William Kent und dem damals schon berühmten Naturschützer John Muir gelang es, die Mammutbäume dauerhaft zu schützen, indem man sie der Bundesregierung der Vereinigten Staaten übereignete. Jährlich finden eine Million Besucher hierher. Aber sie können im Park nicht allein die Mammutbäume bestaunen. Vielmehr wird hier anschaulich gezeigt, was für vorzeigbare Werte in der Gesellschaft entstehen, wenn die Macht des Geldes von Sponsoren sich mit kompetenter Ökologie und Naturschutz sowie Regierungspolitik verbündet.


Alcatraz

Knast überfüllt mit Touristen


Die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz

Die Nationalparkverwaltung hat neben Muir Woods auch die berühmte Gefängnisinsel für Schwerstverbrecher Alcatraz, nur zwei Kilometer von San Franciscos Pier 33 entfernt, unter ihre Fittiche genommen. Im Jahr 1963 stiegen die letzten Gefangenen auf die Fähre, die jetzt alle halbe Stunde 300 Touristen übersetzt. Damals wie heute ist der Knast überfüllt und wird für das Publikum aus aller Welt erhalten. Ein moderner gut gemachter Audio-Guide erzählt aus Sicht von vier Wärtern und Insassen über prominente Häftlinge wie Al Capone.

In der früheren Hippie-Hauptstadt Haight-Ashbury


Die Kultkneipe Vesuvio aus Tagen der Beat-Generation

Nicht so gut getroffen hat es das legendäre Viertel Haight-Ashbury. Die Gegend war schon einmal von einem Niedergang betroffen. Dann zog es die Hippies hierher, es entstand ein Zentrum der städtischen Gegenkultur. In der Nachbarschaft zum Golden Gate Park, der noch heute die "schönste Oase" der Stadt bildet, mauserte sich das Viertel in den 60er Jahren sogar zur inoffiziellen Hauptstadt der Hippie-Bewegung. Auch wenn heute Reiseführer Fußwege durch das Viertel mit einigen seiner viktorianischen Häuser anpreisen, wird dem Besucher schmerzlich bewusst: Von dem viel beschworenen Flair der Flower-Power- und Friedens-Bewegung ist wenig geblieben. Es gibt in der Haightstreet zwar noch Drugstore-Cafes, aber insgesamt wirkt an diesem sonnigen Vormittag alles eher ärmlich und verschlissen. Und selbst einige T-Shirts mit den Aufdrucken der Anti-Atomwaffen-Bewegung hängen traurig und scheinbar unmodern in einigen Bekleidungsläden herum. Ein Pfad führt auf die Spitze des Hügels vom Buena Vista Park, der an einigen wenigen Stellen eine unerwartet gute Sicht auf die Golden Gate Bridge eröffnet.


Der Stadtteil Haight Ashbury

Die letzte Woche im Mai fegt durch San Francisco ein kalter Wind. Ich denke an den Spruch des amerikanischen Komikers Fields über Kalifornien, es sei der einzige Bundesstaat, in dem man unter einem blühenden Rosenstrauch einschlafen und sich dabei zu Tode frieren kann. An den Straßenecken stehen einzelne Männer und Frauen. Sie wirken verschreckt und eingeschüchtert. Die meisten haben ein Pappschild in der Hand. Darauf steht in krakeliger Schrift gut lesbar "I`m hungry" und "homeless".


Blick vom Hügel des Buena Vista Parks

Aufrührerisches im Yerba Buena Garden


Golden Gate Bridge

Im Museum für Moderne Kunst in San Francisco ist die Bildersammlung der Geschwister Stein zu sehen. Sie enthält viele frühe Werke der Künstler Matisse und Picasso, die von ihnen in ihren Pariser Jahren stark gefördert und bekannt gemacht wurden. Damals erwarben Gertrude und Leo Stein auch eine große Menge von Bildern. Beeindruckend sind Fotos aus jener Zeit aus den privaten Räumen der Familie Stein. Auf den Aufnahmen der Pariser Wohnungen sind die Wände mit Kunstwerken gepflastert, die heute viele hundert Millionen Euro wert sind. Welcher Gegensatz von dieser kreativen Weltkunst zu den Werken moderner Kunst, die in anderen Etagen ausgestellt ist. Eine der Ausnahmen ist ein Bild von Frieda Kahlo sowie Bilder von Diego Rivera.


Yerba Buena Garden

Im Yerba Buena Garden neben dem Museumsbau ist mit einer Liegewiese und einem kleinen Wasserfall Idylle spürbar. Sie wird konterkariert durch in Stein gemeißelte Worte des Aufruhrs: "These are revolutionary times. All over the globe man revolting against old systems of exploitation and oppression; and out of the wombs of a frail world, new systems of justice and equality are being born. The shirtless and barefoot people of the land are raising up as never before." Doch niemand muss Sorge haben, dass sich hier ein aufrührerischer Autor, ein Kommunist oder Terrorist, eingeschlichen hat. Der Autor ist im Jahr 1968 in Memphis erschossen worden. Es ist die Gedenkstätte für Martin Luther King mit einer Reihe von seinen Zitaten.


Der Yerba Buena Garden mit der Gedenkstätte für Martin Luther King

Text und Fotos von Ronald Keusch. Der Reisebericht stammt aus dem Jahr 2011

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